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Zytomegalie – eine häufig unbemerkte Virusinfektion

Zytomegalie

Zwischen 70 und 90 Prozent der Weltbevölkerung steckt sich im Laufe des Lebens mit Zytomegalie an. In den meisten Fällen heilt die Erkrankung symptomfrei aus. Bei ungeborenen Kindern und Menschen mit Immunschwäche kann sie jedoch einen gefährlichen Verlauf nehmen.

Was verstehen Ärztinnen und Ärzte unter Zytomegalie?

Die Zytomegalie ist eine weltweit häufig vorkommende Infektionskrankheit. Auslöser der Erkrankung ist das Zytomegalievirus, das zur Familie der Herpesviren gehört. Um die enge Verwandtschaft aufzuzeigen, lautet eine andere Bezeichnung des Erregers: Humanes Herpesvirus Typ 5 (HHV-5). Bei gesunden Personen verläuft die Ansteckung normalerweise unbemerkt.

Nach einer Inkubationszeit zwischen vier und sechs Wochen entwickelt eine Person von hundert Betroffenen grippeähnliche Symptome. Dazu gehören Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, Husten, leichtes Fieber sowie Schwellungen der Lymphknoten. Nachdem das Immunsystem die Erstinfektion ausgeheilt hat, verbleiben einige der Zytomegalieviren ein Leben lang im menschlichen Organismus.

Die körpereigenen Abwehrkräfte halten sie ständig in Schach, sodass die Erreger zunächst keine weitere Gefahr darstellen. Wenn zu einem späteren Zeitpunkt das Immunsystem durch eine andere Krankheit geschwächt ist, können die Viren wieder aktiviert werden. Als Folge kommt es zu einem erneuten Ausbruch der Zytomegalie. Im Gegensatz zur erstmaligen Ansteckung (Primärinfektion) bezeichnet die Medizin diesen Fall als Reaktivierung.

Bei Menschen mit einer ausgeprägten Immunschwäche kann die Zytomegalie lebensgefährliche Verläufe annehmen. Besonders gefährdet sind HIV-Infizierte, AIDS- und Krebspatientinnen und -patienten sowie Personen, die eine immunsuppressive Therapie (Unterdrückung des Immunsystems mit Medikamenten) nach Organtransplantationen erhalten.

Zu den Folgen der Zytomegalie bei Abwehrschwäche gehören:

• Entzündung der Leber (Hepatitis) mit Gelbsucht
• Netzhautentzündung (Retinitis), die zur Erblindung führen kann
• schwere Lungenentzündung mit Atemnot
• Übelkeit und Erbrechen aufgrund einer bakteriellen Infektion des Magen-Darm-Trakts

Wie kann man sich mit Zytomegalie anstecken?

Das Zytomegalievirus kommt weltweit vor und wird von Mensch zu Mensch weitergegeben. Die Übertragung erfolgt über Blut (Bluttransfusion), Speichel, Tränen, Muttermilch oder Scheiden- und Samenflüssigkeit. Bei einer Organtransplantation gehen die Viren in vielen Fällen auf den Empfänger über. Darüber hinaus können werdende Mütter den Embryo über Nabelschnur und Plazenta mit dem Erreger anstecken.

Mit einer Häufigkeit bis zu 1,2 Prozent aller Neugeborenen stellt Zytomegalie die am meisten verbreitete angeborene Virusinfektion dar. Rund ein Drittel der Babys von zytomegalie-positiven Frauen werden beim Stillen infiziert. In westlichen Ländern beträgt die Durchseuchungsrate bei Kindern bis zu sechs Jahren zwischen zehn und dreißig Prozent. Mit der Zunahme der sexuellen Kontakte in der Pubertät steigt sie im Erwachsenenalter auf etwa 70 Prozent an.

Sobald das Zytomegalievirus über eine Schmierinfektion (Urin, Speichel, Blut), eine Tröpfcheninfektion (Niesen, Husten) oder Geschlechtsverkehr in den Organismus gelangt, nistet es sich in verschiedenen Körperzellen ein. Aufgrund der starken Vermehrung der Viren, kommt es zu einer Schädigung und Vergrößerung der Wirtszellen.

Es bilden sich Riesenzellen, die medizinisch auch als Eulenaugenzellen bezeichnet werden. Die charakteristischen Zellveränderungen gaben der Krankheit ursprünglich auch ihren Namen: Zytomegalie bedeutet auf Deutsch „große Zelle“.

Wie infizieren sich Babys in der Schwangerschaft?

Zytomegalieviren stellen für ungeborene Kinder eine große gesundheitliche Gefahr dar. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Erregers von der werdenden Mutter auf den Embryo beträgt rund 40 Prozent. Zytomegalie kommt somit öfter vor als eine Infektion mit Röteln oder Toxoplasmose. Je früher die Ansteckung auftritt, umso größer ist das Risiko für das Ungeborene. Jedes Jahr werden in Deutschland aufgrund einer unerkannten Erstinfektion der Mutter etwa 1.000 Babys mit bleibenden Schäden geboren.

Zu den häufigsten Komplikationen zählen:

• Fehlbildungen von Muskeln, Knochen, Magen-Darm-Trakt und Herz-Kreislauf-System
• Vergrößerung der Milz und der Leber
• Blutgerinnungsstörungen
• Wasserkopf (Hydrozephalus)
• Sehstörungen und Hörschäden
• Wachstumsverzögerung
• Entwicklungsstörung des Gehirns
• geistige Behinderung

Bei einer Infektion in den ersten sechs Schwangerschaftsmonaten steigt die Gefahr einer Fehlgeburt. Etwa ein Drittel der betroffenen Embryos stirbt an den Folgen der Zytomegalie.

Wie lässt sich Zytomegalie behandeln?

Der Nachweis einer Ansteckung mit Zytomegalieviren erfolgt routinemäßig durch die Bestimmung der Antikörper IgG und IgM aus dem Blut. Die Ergebnisse können ebenfalls die Frage klären, ob es sich um eine Erstinfektion handelt oder die Übertragung längere Zeit zurückliegt. Darüber hinaus lassen sich die Erreger durch einen PCR-Test direkt aus Speichel, Urin oder Fruchtwasser bestimmen.

Die Therapie der Zytomegalie hängt vom jeweiligen Immunstatus und den Symptomen der Betroffenen ab. Gesunde Erwachsene, die nur leichte, grippeähnliche Beschwerden aufweisen, werden nicht medikamentös behandelt. Besteht eine Immunschwäche, kommen Hyperimmunglobuline und virenhemmende Mittel (Ganciclovir, Fomivirsen, Foscarnet, Cidofovir, Valganciclovir) infrage.

Die verwendeten Hyperimmunglobulin-Seren enthalten hochangereicherte Antikörper gegen Zytomegalieviren, die das Immunsystem unterstützen. Um das Ansteckungsrisiko für den Embryo zu verringern, setzen Ärztinnen und Ärzte Hyperimmunglobuline häufig auch bei erstinfizierten Schwangeren ein.

Wie verläuft eine Zytomegalie?

Für 99 Prozent der Infizierten hat die Zytomegalie keine negativen gesundheitlichen Folgen. Auch bei ungeborenen Kindern, Säuglingen und Personen mit einer Immunschwäche kann die Krankheit ohne Komplikationen ausheilen. Trotzdem lässt sich keine generelle Prognose stellen. Zurzeit befinden sich mehrere Impfstoffe in der Erprobungsphase. Da sie keinen ausreichenden Schutz bieten, ist es fraglich, ob jemals eine wirksame Zytomegalie-Impfung auf den Markt kommen wird.

Wie kannst Du einer Zytomegalie vorbeugen?

Aufgrund des hohen Durchseuchungsgrades in der Bevölkerung gibt es keine effektive Prävention einer Ansteckung mit Zytomegalieviren. Um sicherzugehen, sollten Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere einen Antikörpertest bei ihrem Hausarzt durchführen lassen. Wenn noch keine Erstinfektion stattgefunden hat, sind grundsätzliche Vorsorgemaßnahmen ratsam. Dazu zählen vor allem eine sorgfältige Händehygiene und die Verwendung von Kondomen bei sexuellen Kontakten.

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Dieser Artikel dient nur zu Deiner Information. Er ermöglicht keine Selbstdiagnose und ersetzt keinen Arztbesuch. Nur ein Arzt kann Dich verlässlich und verbindlich untersuchen und diagnostizieren.
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