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Meningitis bei Kindern

Es muss der Alptraum aller Eltern sein, wenn ihr bislang gesundes Kind an einer Meningitis erkrankt, denn die Folgen dieser Erkrankung sind stets dramatisch: Das Kind kann morgens noch fröhlich gelacht haben und schon am gleichen Abend im Sterben liegen. Deshalb müssen Eltern bei einem entsprechenden Verdacht sofort handeln.

Hauptsächlich Kinder und Jugendliche sind von dieser früher als Streckfluss bezeichneten Erkrankung betroffen. Am häufigsten trifft es die Kleinsten: In den ersten beiden Lebensjahren ist das Erkrankungsrisiko am größten. Rund 70 Prozent aller Fälle betreffen Kinder unter fünf Jahren.

Welche Formen der Meningitis gibt es?

Bei einer Meningitis sind zunächst die Hirnhaut und umliegendes Gewebe entzündet. Eine solche Entzündung kann durch Bakterien, Viren, Pilze oder auch Parasiten wie Zecken ausgelöst werden.

Bakterien können Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae sein, aber auch Staphylokokken, Escherichia coli (abgekürzt E. Coli), Proteus, Pseudomonas, Klebsiellen und Listerien können die Erkrankung verursachen.

Allein die Meningokokken gibt es in fünf Unterarten: A, B, C, W und Y. Die mit Abstand am häufigsten vorkommende Unterart sind die Meningokokken B, die gleichzeitig für Babys und Kleinkinder auch die gefährlichste ist.

Wie kann man sich mit Meningitis anstecken?

Vor einer bakteriellen Meningitis kann kein Elternteil sein Kind schützen, denn mit Bakterien kann sich ein Kind völlig unbemerkt infizieren. Es ist noch nicht einmal ausgeschlossen, dass sich das Kind bei einem Elternteil angesteckt hat, denn jeder zehnte Erwachsene in Deutschland trägt die Erreger in seinem Nasen-Rachen-Raum – auch wenn er selbst gar nicht erkrankt ist. Acht Millionen Menschen können also ein Baby oder Kleinkind durch eine sogenannte Tröpfcheninfektion anstecken. Dazu genügt es, wenn sie mit dem Kind sprechen, in seiner Nähe husten, niesen oder es küssen. Das noch nicht vollständig ausgebildete Immunsystem eines kleinen Kindes kann sich nicht gegen die Erreger wehren.

Weitere mögliche Auslöser einer Meningitis sind Listerien, die durch Lebensmittel wie Käse oder weitere Milchprodukte übertragen werden. Auch hier erkranken meist Menschen mit einem geschwächten oder noch nicht vollständig ausgebildeten Immunsystem.

Eine weitere Form der Meningitis ist die abakterielle, die nicht durch Bakterien verursacht wird. Beispielsweise kann eine Infektion mit dem FSME-Virus nach einem Zeckenbiss eine abakterielle Meningitis auslösen. Selbst Herpesviren und verschiedene Pilze können eine Hirnhautentzündung verursachen.

Welche Symptome zeigen sich bei einer Meningitis?

Bei einer Meningitis-Infektion befallen die Erreger in zwei Drittel aller Fälle die Hirnhäute und den unter der Schädeldecke liegenden Liquorraum. Eine Hirnhautentzündung ist die Folge, die sich jedoch zunächst mit völlig unspezifischen Symptomen zeigt. Die Kinder bekommen hohes Fieber und erbrechen. Ihre Muskeln krampfen oder verspannen, sie klagen über starke Kopfschmerzen, sind möglicherweise lichtempfindlich. Gerade der Nacken des Kindes wird extrem steif. Bei einem kranken Säugling, der sich noch nicht ausdrücken kann, sollten Eltern schauen, ob er im Liegen den Rücken zum Hohlkreuz überstreckt oder ob auf seinem Kopf eine aufgewölbte Fontanelle sichtbar wird. Auch Desorientiertheit, Bewusstseinsstörungen bis hin zum Realitätsverlust oder eine Apathie können Symptome einer Meningitis sein.

Wie bei einer Grippe verschlechtert sich der Zustand des erkrankten Kindes sehr plötzlich innerhalb von wenigen Stunden. Das ist tückisch, denn wenn die Eltern die Symptome falsch deuten und nicht rechtzeitig reagieren, kann die Hirnhautentzündung zu einer Blutvergiftung (Sepsis) und damit zum Tod des Kindes führen.

Daher müssen Eltern auch nur beim leisesten Verdacht auf eine Meningokokken-Meningitis reagieren und das Kind zu einem Arzt bzw. einer Ärztin oder in ein Krankenhaus bringen. Dort werden sie in aller Regel gleich mit hochdosierten Antibiotika behandelt. Auch die Eltern und Geschwister des betroffenen Kindes werden oft sicherheitshalber mit einem Antibiotikum versorgt.

Wie wird Meningitis diagnostiziert und behandelt?

Um die Diagnose Meningitis zu bestätigen, wird das Kind einer Lumbalpunktion unterzogen. Dazu wird aus dem unteren Wirbelsäulenbereich, dem Lumbalkanal, Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit gezogen und untersucht.

Werden Antibiotika rechtzeitig gegeben, kann die Erkrankung folgenlos ausheilen. Leider ist das aber nicht die Regel. Etwa zehn Kinder sterben jährlich an den Folgen einer Meningokokken-Meningitis. Viele betroffene Kinder leiden ihr Leben lang an den Spätfolgen.

Welche Spätfolgen kann Meningitis haben?

Wenn das Kind nicht rechtzeitig behandelt wird, fangen die Erreger an, die Blutgerinnung zu stören. Dann zeigen sich erste kleine Einblutungen auf der Haut in Form von roten Pünktchen, die im Fachjargon Petechien genannt werden. Nach kurzer Zeit weiten sich die kleinen Pünktchen aus und werden zu roten Flecken. Haut und Gewebe stirbt an diesen Stellen ab – eine Sepsis droht. Dieses Erkrankungsstadium nennt man Waterhouse-Friderichsen-Syndrom. Die Durchblutungsstörungen lassen Gewebe zerfallen und Organe absterben. Oft kommt es zu einem Versagen des ganzen Organsystems. Sobald lebenswichtige Organe versagen, ist der Tod die unweigerliche Folge.

Kinder, die diese Krankheit überleben, tragen meist körperliche und geistige Behinderungen davon. Möglicherweise haben sie infolge der Blutvergiftung auch Gliedmaßen verloren. Nicht selten sind Entwicklungs- und Hörstörungen zu beobachten, aber auch Krampfanfälle und Lähmungen.

Wie kann man sich vor Meningitis schützen?

In Industriestaaten kommt die Meningitis im Gegensatz zu den nichtindustrialisierten Staaten nicht sehr häufig vor. In den Jahren 2010 bis 2013 sind in Deutschland nur 364 Fälle von Meningokokken-Meningitis bekannt geworden.

Da ihre Folgen jedoch stets ernst zu nehmen sind, gibt es verschiedene Impfungen, die vor einer Meningitis schützen sollen. Dazu gehört beispielsweise die FSME-Impfung, also die sogenannte „Zeckenschutzimpfung“, aber auch die Immunisierung gegen Meningokokken C.

Seit einigen Jahren gibt es auch einen Impfstoff gegen die viel gefährlicheren Meningokokken B, aber noch empfiehlt die Ständige Impfkommission STIKO diese Impfung nicht. Ein möglicher Grund dafür ist, dass die Impfung gegen Meningokokken B teilweise erhebliche Nebenwirkungen gezeigt hat.

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Dieser Artikel dient nur zu Deiner Information. Er ermöglicht keine Selbstdiagnose und ersetzt keinen Arztbesuch. Nur ein Arzt kann Dich verlässlich und verbindlich untersuchen und diagnostizieren.
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