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IGS Syndrom – was ist das eigentlich?

IGS Syndrom

In Deutschland leiden mehr als 25 Millionen Menschen unter Rückenschmerzen. Die Beschwerden treten in den meisten Fällen im unteren Rücken oder im Bereich der Iliosakralgelenke auf. Eine weitgehend unbekannte und von vielen unterschätzte Ursache dafür ist das ISG-Syndrom.

Was ist das Iliosakralgelenk?

Die Iliosakralgelenke verknüpfen den unteren Teil unserer Wirbelsäule (Kreuzbein) mit der rechten und der linken Beckenschaufel des Darmbeins. Da die beiden Gelenke die Verbindung zwischen den Beinen und dem Oberkörper herstellen, haben sie eine große Bedeutung für die Stabilität des Körpers. Das Iliosakralgelenk trägt auch die Bezeichnung ‚Kreuzbein-Darmbein-Gelenk‘ oder ‚Kreuzdarmbeingelenk‘. Genau genommen handelt es sich nicht um ein Gelenk im wörtlichen Sinne.

Im Gegensatz zu Hüft-, Knie- oder Sprunggelenk lässt sich das Iliosakralgelenk nicht aktiv bewegen. Starke Bänder und Knorpelstrukturen sorgen für eine feste Verankerung im Beckenring. Eine dermaßen geringe Bewegungsmöglichkeit wird in der Medizin Nutation genannt. Die Nutation der Iliosakralgelenke dient unter anderem der Erweiterung des weiblichen Beckens während der Geburt eines Kindes.

Welche Symptome kommen beim ISG-Syndrom häufig vor?

Betroffene klagen oft über anfallsweise auftretende Schmerzen im unteren Rücken, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Sie beginnen an der Hüfte und strahlen entweder in Richtung Oberkörper oder in die Beine aus. Viele denken zunächst an einen Hexenschuss oder einen Bandscheibenvorfall. Typisch für das ISG-Syndrom ist die Verstärkung der Beschwerden beim Aufstehen nach längerem Sitzen oder aus einer gebückten Haltung. Wenn man eine Treppe hinaufgeht oder sich beim Liegen umdreht, nehmen die Schmerzen ebenfalls zu.

Vorsicht bei Blasenschwäche und Missempfindungen in den Beinen

Kommt es zusätzlich zu Missempfindungen, Gefühlsstörungen oder Lähmungen im Bein, sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Das Gleiche gilt für eine plötzlich auftretende Blasenschwäche oder eine Störung der Darmfunktion. In diesen Fällen muss ein Facharzt oder eine Fachärztin abklären, ob ein Bandscheibenvorfall oder eine andere Grunderkrankung dahintersteckt.

Wie entstehen die Schmerzen bei einem ISG-Syndrom?

Die Bezeichnung Syndrom deutet es bereits an: Viele Faktoren können zu den beobachteten Beschwerden führen. Die zugrunde liegenden Ursachen bleiben oftmals unklar. Die typischen Schmerzen in der Hüfte äußern sich häufig nach einer Blockade des Iliosakralgelenks (ISG-Blockade). Die Ursache liegt in einer Verschiebung der Gelenkflächen zwischen Kreuzbein und Darmbein. Unfälle, Überanstrengungen sowie eine plötzliche Krafteinwirkung bei sportlichen Aktivitäten können eine ISG-Blockade auslösen. Begünstigt wird die Blockade durch eine schwach ausgeprägte Rumpfmuskulatur bei Menschen, die eine überwiegend sitzende Tätigkeit ausüben.

Wesentlich häufiger entstehen die Symptome aufgrund von Zug- oder Dehnbelastungen der Muskeln und des Bandapparats im Bereich des Iliosakralgelenks. Als Folge kommt es zu Entzündungen und Schmerzen an den betroffenen Stellen. Neben Übergewicht oder einer falschen Körperhaltung kann auch das einseitige Heben schwerer Lasten für das Auftreten der Beschwerden verantwortlich sein.

Zu den weiteren Ursachen eines ISG-Syndroms gehören:

• Verschleiß (Arthrose) des Iliosakralgelenks,
• fehlende Stabilität des Beckenrings,
• die rheumatische Erkrankung Morbus Bechterew,
• chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn),
• Schwangerschaft.

Untersuchung und Diagnose des ISG-Syndroms

Zunächst muss der behandelnde Arzt oder die Ärztin andere Krankheiten ausschließen, die ähnliche Symptome hervorrufen. Um die Krankengeschichte vollständig zu verstehen, werden bei der Anamnese die wichtigsten medizinischen Daten erfasst: Wo liegen die Schmerzpunkte, seit wann bestehen die Schmerzen, strahlen sie in den Rücken oder in die Beine aus, bei welchen Bewegungen treten die Beschwerden auf? Die Antworten auf diese und ähnliche Fragen helfen dem Arzt oder der Ärztin dabei, mögliche Ursachen einzugrenzen.

Bei der körperlichen Untersuchung wird versucht, mithilfe eines gezielten Drucks den Hauptschmerz zu lokalisieren. Dabei werden nicht nur spezielle Provokationstests für das Iliosakralgelenk eingesetzt. Es wird ärztlich auch überprüft, ob der Ischiasnerv an dem Schmerzgeschehen beteiligt ist. In den meisten Fällen reichen diese Untersuchungen aus, um die Diagnose ‚ISG-Syndrom‘ abzusichern.

Ein Blutbild ist nur dann erforderlich, wenn der Verdacht auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung besteht. Bei länger andauernden Schmerzen kann eine Computertomografie (CT), eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Röntgenuntersuchung zusätzliche Hinweise liefern.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Wenn die Diagnose ‚ISG-Syndrom‘ gestellt wurde, ist es für die Betroffenen wichtig, sich viel zu bewegen. Natürlich sollte man es nicht übertreiben und dadurch starke Schmerzen provozieren. Bei der schulmedizinischen Behandlung steht zunächst die Physiotherapie im Vordergrund. Erkrankte erlernen entlastende Übungen, die regelmäßig angewendet zu einer Schmerzlinderung beitragen können. Begleitend werden oft Schmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen verschrieben.

Als weitere Methode kommt die sogenannte Infiltrationstherapie infrage. Bei dieser Behandlung spritzt der Arzt oder die Ärztin ein örtliches Betäubungsmittel (Lidocain) oder ein entzündungshemmendes Medikament (Kortison) nahe an das betroffene Iliosakralgelenk. Bei sehr starken Schmerzen erfolgt die Infiltration mit Unterstützung der Computertomografie (CT-Kontrolle) direkt in den Gelenkspalt.

Heilungsaussichten und Prognose

Durch effektive Behandlungen lässt sich in vielen Fällen eine vollständige Schmerzfreiheit erreichen. Die Erfolgsquote gilt als besonders hoch, wenn das ISG-Syndrom zum ersten Mal auftritt. Um einen Rückfall zu vermeiden, ist es wichtig, die Rumpfmuskulatur mit gymnastischen Übungen zu stärken. Je länger das ISG-Syndrom besteht, umso geringer sind die Heilungschancen.

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Dieser Artikel dient nur zu Deiner Information. Er ermöglicht keine Selbstdiagnose und ersetzt keinen Arztbesuch. Nur ein Arzt kann Dich verlässlich und verbindlich untersuchen und diagnostizieren.
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