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Fibromyalgie – wenn alles weh tut

Fibromyalgie

Für die Fibromyalgie-Therapie gibt es kein Patentrezept und auch keine Erklärung zu den Ursachen der Krankheit. Viele Ärzte unterschätzen die Schmerzen und Beschwerden ihrer Patientinnen. Es klebt das Stigma der „gelangweilten Frauen“ in den Wechseljahren an den meist weiblichen Betroffenen- und die pilgern hilflos von Arzt zu Arzt, oder es geht ihnen immer schlechter, weil ihre Therapie falsch ist.

Was ist Fibromyalgie?

Fibromyalgie steht für „Faser-Muskel-Schmerz“. Betroffen sind 3,5 Prozent der deutschen Bevölkerung und weit über die Hälfte davon sind Frauen, viele davon in den Wechseljahren. Die Krankheit entsteht schleichend über viele Jahre, so dass sich ein klarer Beginn meist nicht finden lässt. Das ist eine Unterscheidungsmöglichkeit zu einer ähnlichen Erkrankung, der chronischen Erschöpfung (Chronic Fatigue Syndrome, CFS), mit der die Fibromyalgie ansonsten drei viertel der Symptome gemein hat.

Welche Symptome gehen mit einer Fybromyalgie einher?

„Mir tut alles weh!“ Das ist wohl einer der Sätze von Betroffenen, die die Krankheit am besten charakterisiert. Doch welche Symptome treten bei Verdacht auf ein Fibromyalgiesyndrom (FMS) auf? Typisch ist eine Kombination verschiedener Beschwerden.

Hauptsächlich haben Betroffene veränderliche Schmerzen an Gelenken, Muskeln und Knochen. Vor allem der Schulter-Nacken-Gürtel ist dabei oft massiv verspannt, was zu Kopfschmerzen oder Migräne führt. Doch es kommen noch weitere, unterschiedliche Organbeschwerden hinzu. Fast alle Patienten klagen über Magen-Darm-Probleme, wie unregelmäßiger Stuhlgang, Luft im Verdauungstrakt und Bauchschmerzen. Aber auch Herz-Kreislauf-Probleme wie Schwindel, Herzrasen und Schweißausbrüche sind typisch. Dazu kommen fast immer Schlafstörungen und starke Erschöpfung.

Die Patienten sind meist überempfindlich gegen Schmerzen- auch Sensibilität für Geräusche, Gerüche oder Medikamente sind nicht selten. Dabei senkt die Fibromyalgie nicht die Lebenserwartung, und sie ist auch keine Erkrankung der Nerven, der Muskeln oder der Psyche. Die Wissenschaft vermutet als Ursache für die Fibromyalgie eine Störung der Schmerzverarbeitung im Gehirn und Rückenmark.

Bei Erkrankten nachweisbar ist eine höhere Schmerzempfindlichkeit, die sogenannte Hyperalgesie. Zudem ist bei den Betroffenen auch die Schmerzschwelle, also die Schwelle, ab der ein Reiz als schmerzhaft empfunden wird, niedriger. Veränderungen bei den im Blut festgestellten Laborwerten oder Auffälligkeiten im Röntgenbild gibt es normalerweise keine.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Da die Fibromyalgie ein Syndrom ist, muss eine sogenannte Ausschlussdiagnose gestellt werden. Die Krankheit selbst wird rein über das Beschwerdebild diagnostiziert. Die Experten sind sich einig, dass es sich bei dem FMS weder um rheumatische Beschwerden, noch um eine Stoffwechselerkrankung oder gar um eine Infektion handelt. Deswegen müssen all diese Ursachen zuerst ausgeschlossen werden. In der Regel wird der betreuende Arzt dies in Zusammenarbeit mit einem Rheumatologen und gegebenenfalls weiteren Fachärzten tun. Früher wurde die erhöhte Schmerzempfindlichkeit zur Diagnose des FMS auch gemessen. Dafür wurden Druckpunkte, sogenannte Tender Points, vom Arzt untersucht. Heute sind die Tender Points für die Diagnose nicht mehr erforderlich.

Was kann man gegen Fibromyalgie tun?

Die Erkrankung kann nach derzeitigem Stand nicht geheilt werden. Nur die Schmerzen und Begleitbeschwerden können je nach Ursache und Herkunft behandelt werden. Da es einige Antidepressiva gibt, die neben ihrer psychisch unterstützenden Wirkung eine hervorragende Schmerzwirksamkeit haben, ist die Gabe dieser Medikamente oft ein guter Ansatz. Spätestens hier muss ein Psychiater in die Behandlung miteinbezogen werden.

All dies macht deutlich: Es kann für die FMS keine Standard-Behandlung geben. Jedes einzelne Symptom muss mit dem jeweiligen Facharzt für sich gelöst werden.

Neben einer Behandlung mit Medikamenten sind weitere, unterstützende Verfahren wichtig. Vielen Betroffenen tut eine Psychotherapie mit dem Ziel der besseren Schmerzbewältigung gut. Auch Entspannungstechniken wie die Muskelentspannung nach Jacobsen oder autogenes Training sind sinnvoll. Einige Fibromyalgie-Patienten verfallen durch die dauernden Schmerzen in eine Schonhaltung. Hier kann regelmäßiges, sportliches Training und unterstützende Physiotherapie unter Anleitung von Ärzten helfen.

Kann ich mich mit gesunder Ernährung vor Fibromyalgie schützen?

Die genaue Ursache, warum es zu einem FMS kommt, ist noch nicht verstanden. Doch sicher ist, dass starker Stress am Arbeitsplatz oder im Privatleben Risikofaktoren für die Entwicklung eines Fibromyalgie-Syndroms sein können. Auch frühere Schmerzerfahrungen können eine Rolle spielen.

Man kann der Fibromyalgie nicht mit gesunder Ernährung vorbeugen. Jedoch steigert eine vollwertige und ausgewogene Ernährung das Wohlbefinden insgesamt. Auf die Ernährung zu achten ist deswegen ein Muss für Fibromyalgie-Patienten!

Die Verdauungsbeschwerden, an denen fast alle Patienten leiden haben noch eine weitere Folge: Oft wird die Nahrung in Magen und Darm zu langsam oder zu schnell weiterverarbeitet. Wird sie zu langsam verarbeitet, belastet das Magen und Speiseröhre durch Übersäuerung. Bei zu schnellem Weitertransport der Nahrung kommt es zu Blähungen und/oder Durchfällen im Wechsel mit Verstopfung. Viele Patienten essen deswegen sehr einseitig nur das, was sie mögen oder gut vertragen. Dadurch können jedoch Mangelzustände entstehen, die das Krankheitsbild weiter verschlimmern. Außerdem verleitet die ständige Müdigkeit dazu, große Mengen von Kaffee und aufputschenden Getränken zu konsumieren. Da beides für den Verdauungstrakt nicht sehr gesund ist und die Beschwerden ebenfalls verschlimmern kann, ist hier jedoch Vorsicht geboten.

Einige Ansätze in der Forschung weisen bei den Betroffenen bisher einen Serotonin-Mangel nach. Serotonin ist ein sehr wichtiger körpereigener Botenstoff für Gewebe und Nervensystem. Der Körper bildet es aus der Aminosäure Tryptophan. Es kann es also sicher nicht schaden, vermehrt tryptophanhaltige Nahrungsmittel (Getreide, Nüsse, Quark, Bananen) zu essen. Zumindest solange, bis die medizinische Forschung diese tückische Erkrankung weiter aufgeklärt hat und über neue Therapieansätze verfügt.

Dieser Artikel dient nur zu Deiner Information. Er ermöglicht keine Selbstdiagnose und ersetzt keinen Arztbesuch. Nur ein Arzt kann Dich verlässlich und verbindlich untersuchen und diagnostizieren.
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