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Cholera – Krankheit der Armen

Cholera

Weltweit betrifft Cholera drei bis fünf Millionen Menschen. Immer wieder auftretende Krankheitsausbrüche fordern bis zu 130.000 Todesopfer pro Jahr. Die Erkrankung, die seit 2010 als Pandemie eingestuft wird, kommt in westlichen Industrieländern nur selten vor.

Was ist Cholera?

Die Cholera stellt eine akute Erkrankung des Dünndarms dar und gehört zu den lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten. Verursacht wird sie durch verschiedene Stämme des Bakteriums Vibrio cholerae Heutzutage ist Cholera hauptsächlich in ärmeren Gebieten Afrikas, Asiens sowie Süd- und Mittelamerikas anzutreffen. Ohne ausreichende medizinische Behandlung führt sie bei fast jedem zweiten Erkrankten zum Tod. Nach einer Inkubationszeit von wenigen Stunden bis zu fünf Tagen kommt es zu den ersten Anzeichen der Krankheit. In 85 Prozent der Fälle verläuft die Infektion ohne Beschwerden.

Was sind die typischen Symptome bei Cholera?

Bei milden Verläufen treten vor allem Bauchkrämpfe sowie ein wässriger Durchfall auf. Schwere Formen der Cholera sind durch massive Durchfälle und Erbrechen gekennzeichnet. Dabei kann es passieren, dass die Betroffenen auch Gallenflüssigkeit erbrechen. Dieser Tatsache verdankt die Infektionskrankheit ihren Namen: Auf Deutsch bedeutet Cholera „Gallenfluss“. Der Durchfall ist typischerweise wässrig und enthält weiße Schleimflocken. Daher rührt der Name Reiswasserstuhl. Aufgrund des hohen Wasserverlustes von bis zu 20 Litern am Tag droht eine Austrocknung des Körpers, die zu Nierenversagen und Schock führen kann.

Zu den sonstigen Cholerasymptomen zählen:

• heisere, hohe Stimme (vox cholerica)
• tief in den Höhlen liegende Augen und ein eingefallenes Gesicht
• Muskelkrämpfe
• faltige Haut an den Händen (Waschfrauenhände)


Wie entstehen die reiswasserartigen Durchfälle?

Wenn Cholerabakterien in den Dünndarm gelangen, heften sie sich an die äußere Schleimhautschicht. Dort produzieren sie kontinuierlich ein starkes Gift, das in der Medizin als Choleratoxin (CTX) bezeichnet wird. Das Toxin dringt in die Schleimhaut ein und erhöht die Durchlässigkeit des Darmepithels. Als Folge kommt es zu einer massiven Entwässerung der Darmzellen verbunden mit einem Verlust an lebenswichtigen Elektrolyten. Wasser und Salze werden in das Innere des Darms abgegeben und vom Körper immer wieder in Form von reiswasserartigen Durchfällen ausgeschieden.

Wie kann man sich mit Cholera anstecken?

Die gefährliche Infektionskrankheit tritt gehäuft in Regionen mit einer hohen Bevölkerungsdichte auf, in denen Menschen unter unhygienischen Verhältnissen zusammenleben. Da vor allem geschwächte und unterernährte Menschen betroffen sind, gilt Cholera als Krankheit der Armen. Auch bei kleinen Kindern und älteren Personen besteht ein erhöhtes Risiko. Erkrankte scheiden die Vibrionen andauernd über den Stuhl aus, sodass sie die wichtigste Ansteckungsquelle darstellen.

Wenn sanitäre Einrichtungen fehlen oder die Kanalisation unzureichend ist, kontaminieren die Ausscheidungen das Grundwasser. Die Choleraerreger gelangen anschließend durch den Verzehr verunreinigter Speisen und Getränke in den Körper. Eine direkte Ansteckung (fäkal-oral) zwischen zwei Personen kann bei einer mangelnden Hygiene der Hände auftreten. Eine weitere mögliche Quelle für Cholerabakterien stellen Meeresfrüchte dar, die nicht lange genug gekocht wurden.

Das Ausmaß der Erkrankung hängt vor allem davon ab, wie viele Keime über den Magen in den Dünndarm gelangen. Da sie säureempfindlich sind, werden die meisten Vibrionen durch die Magensäure zerstört. Bei Personen, die krankheitsbedingt nur wenig Säure im Magen produzieren, können bereits wenige Choleraerreger einen Krankheitsausbruch herbeiführen.

Ein tollkühner Selbstversuch des Max von Pettenkofer

Der renommierte Münchner Hygieniker Max von Pettenkofer bezweifelte, dass Keime die alleinige Ursache von Infektionskrankheiten sind. Seiner Ansicht nach spielen zusätzliche Faktoren bei der Krankheitsentstehung eine entscheidende Rolle. Während eines Streitgesprächs mit dem berühmten Wissenschaftler Robert Koch um das Thema Cholera entschloss sich von Pettenkofer zu einem unglaublichen Experiment.

Am 7. Oktober 1892 trank er vor Zeugen eine Flüssigkeit, die eine extrem hohe Dosis an Choleraerregern enthielt. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, nahm er Bikarbonat zur Neutralisierung der Magensäure ein. Bis auf leichte Magen-Darm-Beschwerden blieb von Pettenkofer gesund. Leider versäumte der wagemutige Hygieniker, seine Stuhlproben auf Vibrionen zu untersuchen. Deshalb ist bis heute umstritten, ob bei ihm nicht doch eine leichte Form der Cholera vorlag.

Welche Möglichkeiten der Therapie gibt es?

In Deutschland ist die Cholera eine meldepflichtige Infektionskrankheit. Um den Ausbruch einer Epidemie zu verhindern, werden Betroffene unter Quarantäne gestellt. Bereits bei Verdacht auf eine Erkrankung erfolgt die sofortige Behandlung. Um die dramatischen Wasser- und Elektrolytverluste auszugleichen, müssen die Patienten immer wieder glucosehaltige Flüssigkeiten trinken. In schweren Fällen kommen intravenöse Infusionen mit Ringer-Laktat-Lösung infrage. Zur Bekämpfung der Choleraerreger selbst werden Antibiotika eingesetzt.

Prävention und Impfung

Der beste Schutz vor Cholera besteht in der Verbesserung der hygienischen Verhältnisse. Sauberes Trinkwasser und ein funktionierendes Kanalisationssystem stellen einen wichtigen ersten Schritt dar, um lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten die Grundlage zu entziehen. Für normale Urlaubsgäste ist das Risiko einer Ansteckung gering. Wer sich in einem Land mit Cholera aufhält, sollte trotzdem grundsätzliche Hygieneregeln beachten:

• Wasser vor dem Trinken abkochen oder Mineralwasserflaschen kaufen
• vor dem Essen die Hände gründlich waschen
• nur gekochte Speisen verzehren
• auf Salate, Speiseeis und Eiswürfel verzichten
• kein Leitungswasser verwenden, um damit die Zähne zu putzen oder das Geschirr abzuspülen

Für medizinisches Personal und Katastrophenhelfer, die in einem Choleragebiet Menschenleben retten, gibt es die Möglichkeit einer Impfung. Sie wird aus fachärztlicher Sicht nicht generell empfohlen, weil die Schutzwirkung nur bei etwa 60 Prozent der Geimpften eintritt.

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Dieser Artikel dient nur zu Deiner Information. Er ermöglicht keine Selbstdiagnose und ersetzt keinen Arztbesuch. Nur ein Arzt kann Dich verlässlich und verbindlich untersuchen und diagnostizieren.
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