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Borderline – eine Persönlichkeitsstörung

Borderline

Das Borderline-Syndrom, auch Borderline-Persönlichkeitsstörung oder kurz BPS genannt, ist eine Erkrankung der menschlichen Psyche. Aufgrund ihrer Parallelen zu anderen psychischen Störungsbildern ist die Diagnosestellung mitunter schwierig. Betroffene und Angehörige sollten in keinem Fall voreilige Schlüsse ziehen, sondern sich im Verdachtsfall so schnell wie möglich in ärztliche Untersuchung begeben.

Was ist eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine psychische Erkrankung, die sich durch Einschränkungen im Fühlen, Denken und Handeln der Betroffenen äußert. Daraus resultieren für Dritte teils sehr unverständliche Verhaltensweisen. Diese können die sozialen Beziehungen der Betroffenen erheblich schwächen und zu einer starken Minderung der Lebensqualität beitragen. Die Krankheit beginnt häufig im frühen Erwachsenenalter.

Nach dem amerikanischen Klassifikationssystem „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ müssen zur Diagnosestellung einer solchen Störung mindestens fünf der aufgeführten Kriterien vorliegen:

– ein anhaltendes Gefühl von Leere
– chronische Störung der Selbstwahrnehmung
– krankhaft impulsives Verhalten in mindestens zwei dieser Bereiche: Sexualität, unkontrollierte Essanfälle, rücksichtloses Autofahren, Drogenmissbrauch, Geld ausgeben
– starkes Bemühen, das Verlassen werden bzw. ein vermutetes Verlassen werden einer nahe stehenden Person zu vermeiden
– heftige, immer wiederkehrende unangebrachte Wutausbrüche
– akute dissoziative Symptome (Auseinanderbrechen psychischer Funktionen) oder paranoide Verhaltensweisen
– selbstverletzendes Verhalten, suizidale Handlungen oder Suizidandeutungen
– affektiv instabile Reaktionen auf bestimmte Ereignisse: z.B. ausgeprägte Angst und Reizbarkeit, depressive Verstimmung

Da die Borderline-Störung viele Parallelen zu anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Schizophrenien aufweist, ist die Diagnosestellung nicht immer leicht. In einigen Fällen wird die Diagnose erst nach monatelanger Behandlung gestellt. Darüber hinaus ist die sogenannte Komorbiditätsrate recht hoch. Das heißt: Leidet ein Mensch an einer Borderline-Störung, treten nicht selten weitere psychische Erkrankungen zusätzlich auf. Häufig werden neben dem Borderline-Syndrom auch Panikstörungen, Angststörungen, Depressionen oder Suchterkrankungen beobachtet.

Welche Ursachen gibt es für diese Erkrankung?

Die meisten Wissenschaftler gehen bei der Entstehung der Borderline-Störung von einem multifaktoriellen Konstrukt aus. Das heißt, dass mehrere Faktoren das Auftreten dieser Krankheit begünstigen können. In Rahmen einer internationalen Studie aus dem Jahr 2014 wurde aufgezeigt, dass Borderline zu 40 Prozent erblich ist. Allerdings ist bisher nicht bekannt, welches Gen für die Entstehung der Krankheit verantwortlich sein könnte. Zudem erhöhen traumatische Erlebnisse, häufige Streitigkeiten der Eltern und eine feindselige Stimmung im Elternhaus das Risiko dieser Erkrankung. Außerdem sind bei Erkrankten bestimmte neurobiologische Veränderungen im Gehirn festgestellt worden. Bei Borderliner ist das Areal, dass für Gefühle zuständig ist, die Amygdala, kleiner ausgeprägt. Auch der Hippocampus, der für die Gedächtnisleistung von Bedeutung ist, hat typischerweise ein kleineres Volumen als bei gesunden Menschen.

Wie kann eine Borderline-Störung therapiert werden?

Die Therapie einer Borderline-Störung muss individuell auf den Betroffenen abgestimmt sein. Grundsätzlich gibt es viele mögliche Formen der Behandlung. Neben einer Psychoanalyse kommen verhaltenstherapeutische Maßnahmen, eine Ergotherapie oder eine Gesprächstherapie in Betracht. Auch autogenes Training und Übungen zur Muskelentspannung haben sich als wirkungsvoll erwiesen.

Darüber hinaus werden einige Borderliner mit Psychopharmaka behandelt. In vielen Fällen ist eine einseitige Therapie nicht ausreichend. Die Behandlung sollte daher aus mehreren Säulen bestehen. Für eine erfolgreiche Therapie ist es notwendig, dass der Betroffene seine Krankheit akzeptiert und lernen möchte, mit ihr zu leben. Dazu kann er auch neben den oben aufgeführten Behandlungsmöglichkeiten Selbsthilfe leisten.

Vielen Betroffenen hilft ein regelmäßiger Besuch von Selbsthilfegruppen. Auch das Erkennen bestimmter auslösender bzw. krankheitsverstärkender Faktoren ist bei einer Borderline-Störung wichtig, weshalb ein persönlich erstelltes Protokoll dieser Bedingungen hilfreich sein kann.

Was kann ich als Angehöriger tun?

Die Krankheit ist nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch für das nahe Umfeld des Erkrankten sehr belastend. Freunde und Familie sollten die Krankheit weder verschleiern noch ihr zu viel Platz gewähren. Sie sollten versuchen, so normal wie möglich mit den Betroffenen umzugehen.

Bestimmte fehlerhafte Verhaltensweisen der Erkrankten sind auf die Borderline-Störung zurückzuführen und nicht auf den Betroffenen selbst. Es ist häufig sehr schwierig, dies zu trennen. Auch für Angehörige kann es daher sehr hilfreich sein, einer Selbsthilfegruppe beizutreten oder ihre Erfahrungen in Onlineforen auszutauschen.

Welche Aussichten haben Borderline-Patienten?

Im Akutstadion ist eine Borderline-Persönlichkeitsstörungen in einigen Fällen sogar lebensbedrohlich. Dies ist durch suizidale Handlungen und das selbstverletzende Verhalten der Betroffenen zu begründen. Bei einigen Erkrankten können selbst herbeigeführte Wunden zu einem massiven Blutverlust führen. Im schlimmsten Fall endet dies tödlich.

Wichtig für eine gute Prognose sind eine frühzeitige Diagnose der Erkrankung sowie eine rechtzeitige und geeignete Behandlung.

Dieser Artikel dient nur zu Deiner Information. Er ermöglicht keine Selbstdiagnose und ersetzt keinen Arztbesuch. Nur ein Arzt kann Dich verlässlich und verbindlich untersuchen und diagnostizieren.
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