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Autismus – Leben in einer Seifenblase

Autismus

Autismus ist eine Entwicklungsstörung, die in unserer Gesellschaft bis heute auf viel Unwissenheit und Unverständnis trifft. Die Betroffenen sind in sich gekehrt und haben Schwierigkeiten, Kontakte zu knüpfen und sich in ihr Umfeld zu integrieren. In diesem Artikel haben wir für Dich die wichtigsten Fakten zusammengetragen, um Dir die Welt aus der Sicht eines Autisten näher zu bringen.

Was ist Autismus und welche Formen gibt es?

Bei Autismus handelt es sich um eine neurologische Entwicklungsstörung, die sich auf vielfältige Weise äußern kann. Der Name der Störung selbst entstammt dem griechischen Wort „autos“, was im Deutschen so viel wie „selbst“ bzw. „alleine“ bedeutet. Erste Anzeichen für Autismus machen sich bereits im frühen Kindesalter bemerkbar, die Betroffenen leiden an einer beeinträchtigten Wahrnehmung und können deswegen neue Informationen nur mit viel Mühe verarbeiten. Obwohl eine Funktionsstörung des Gehirns als Ursache nachgewiesen wurde, wird Autismus nicht als Behinderung eingestuft.

Insgesamt werden vier Formen des Autismus unterschieden, die gemeinsam das „autistische Spektrum“ bilden:

– Frühkindlicher Autismus: Diese auch als Kanner-Syndrom bekannte Form des Autismus macht sich bereits vor dem Erreichen des dritten Lebensjahres bemerkbar und äußert sich oft durch stereotype Verhaltensweisen und Problemen des Kindes mit sozialen Kontakten. Kommt dazu noch ein starkes Bedürfnis nach Kontinuität, also ausbleibender Veränderung, sind dies ernsthafte Anzeichen und deuten auf eine mögliche Störung hin. Jungen sind hierbei deutlich häufiger betroffen als Mädchen. Über die Ursachen herrscht bei den Experten noch immer Uneinigkeit, jedoch werden bestimmte Risikofaktoren in der Schwangerschaft vermutet. Dazu gehören unter anderem ein erhöhtes Alter der Mutter im Zeitraum der Schwangerschaft sowie die Einnahme bestimmter Medikamente während der Schwangerschaft. Der frühkindliche Autismus wird weiter in „High Functioning Autism“ (kurz: HFA) und „Low Functioning Autism“ (kurz: LFA) unterteilt. Diese beiden Unterformen unterscheiden sich lediglich in dem bei betroffenen Kindern gemessenen Intelligenzquotienten.

– Asperger-Syndrom: Die Symptome, etwa motorische Ungeschicktheit und eine verzögerte Sprachentwicklung, sind hier deutlich weniger ausgeprägt als beim frühkindlichen Autismus, sodass eine Diagnose erschwert wird. Die Ursachen sind bislang noch nicht geklärt.

– Atypischer Autismus: Im Gegensatz zum Asperger-Syndrom stimmen die Merkmale des atypischen Autismus eher mit denen des frühkindlichen Autismus überein. Die Entwicklungsstörung tritt allerdings oft erst im Erwachsenenalter der Fall ist.

– Rett-Syndrom: Diese Form des Autismus gilt als besonders selten und schwer, denn betroffene Patienten verlernen entlang ihres Leidensweges erworbene Fähigkeiten wie Sprechen oder Laufen. Das Rett-Syndrom kann vom sechsten Lebensmonat bis zum vierten Lebensjahr auftreten. Verursacht wird es durch eine genetische Mutation. Diese tritt generell auf dem X-Chromosom auf und betrifft sowohl männliche als auch weibliche Embryonen. Allerdings führt diese Mutation bei männlichen Embryonen fast immer zum intraunterinen Fruchttod, weswegen fast nur Mädchen davon betroffen sind.

Wie wird Autismus diagnostiziert und wie werden ähnliche Erkrankungen ausgeschlossen?

Autismus zu diagnostizieren gestaltet sich oft als sehr schwierig, da auch viele andere Ursachen für gewisse Verhaltensauffälligkeiten von Babys oder Kindern in Betracht kommen können. Daher wird der Kinderarzt zuerst die Augen und die Ohren des Kindes untersuchen und vielleicht auch die Hirnströme messen, um etwaige Funktionsstörungen auszuschließen.

Sobald der Arzt den Verdacht hat, dass das Kind autistisch sein könnte, stellt er den Eltern bestimmte Fragen zu den Verhaltensmustern des kleinen Patienten. Bestätigt sich der Verdacht des Kinderarztes, wird meist ein Psychologe zu Rate gezogen, der mit den unterschiedlichen Formen von Autismus bestens vertraut ist. So kann anhand von Fragebögen und einem Autismus-Test die genaue Diagnose gestellt werden. Der Autismus-Test umfasst die Überprüfung aller Merkmale und Symptome autistischen Verhaltens.

Wie wird Autismus behandelt?

Obwohl Autismus in jeglicher Form nicht heilbar ist, gibt es dennoch viele Therapiemöglichkeiten, die den Betroffenen erwiesenermaßen helfen, ein möglichst normales Leben führen zu können. Dies sind die geläufigsten Therapieansätze:

– Durch eine Verhaltenstherapie können kommunikative und soziale Fähigkeiten gefördert und gleichzeitig stereotypische Verhaltensmuster abgebaut werden

– Zur Verbesserung der Aussprache kann ein Sprachtherapeut (Logopäde) aufgesucht werden.

-Bei Beeinträchtigungen des Bewegungsapparats kann eine physiotherapeutische Behandlung sehr hilfreich sein.

– In besonders schweren Fällen kann manchmal eine medikamentöse Therapie notwendig sein. Gerade wenn Autisten unter Angstzuständen, Depressionen oder Zwängen leiden, können Psychopharmaka eine gute Ergänzung zu den anderen Therapieformen darstellen.

– Auch für Eltern betroffener Kinder gibt es ein spezielles Elterntraining, das auf den Abbau von Stress abzielt. Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die betroffenen Kinder weniger verhaltensauffällig sind, wenn ihre Eltern weniger Stress haben.

Dieser Artikel dient nur zu Deiner Information. Er ermöglicht keine Selbstdiagnose und ersetzt keinen Arztbesuch. Nur ein Arzt kann Dich verlässlich und verbindlich untersuchen und diagnostizieren.
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