CLICK Magazin

Das Asperger-Syndrom – ein Leben ohne Filter 

Asperger

„Visuelle Informationen, Gerüche und Geräusche, sie alle steigen in mir hoch und vermischen sich in einem erstickenden Chaos“. So beschreibt ein vom Asperger-Syndrom Betroffener, wie sich diese Variante des Autismus für ihn anfühlt. Was ist das Asperger-Syndrom wirklich?

Was ist das Asperger-Syndrom?

Das Asperger-Syndrom ist eine abgeschwächte Form einer Autismus-Spektrums-Störung und wie diese nicht heilbar. Autismus wird als Spektrum charakterisiert, da eine klare Abgrenzung von verschiedenen Formen noch nicht möglich ist und einem fließenden Übergang zwischen milden und stärkeren Autismusformen ausgehen sollte. Den Betroffenen bereitet der Umgang mit anderen Menschen große Mühe und der Aufbau von Beziehungen ist für sie nur schwer möglich. Da sie meist über gute sprachliche Fähigkeiten verfügen, neigen sie dazu, Dinge allzu wörtlich zu nehmen. Sie verarbeiten Sinnesreize anders, haben intensive und oft sehr spezielle Interessen und lehnen jede Form von Veränderung ab.

Wer „entdeckte“ das Asperger-Syndrom?

Von einer „Entdeckung“ im herkömmlichen Sinn kann eigentlich nicht gesprochen werden. Vielmehr geht es bei dieser Frage darum, wann das Asperger-Syndrom als solches erkannt worden ist. Der österreichische Kinderarzt Hans Asperger deklarierte es in seiner Habilitationsschrift 1943 als eine „autistische Psychopathie“. Erst nach 1981 wurde die bis dahin als Psychopathie geltende Störung als Teilbereich des Autismus-Spektrums nach Hans Asperger benannt. 1992 wurde das Asperger-Syndrom in das internationale Klassifizierungssystem (ICD) der WHO aufgenommen.

Durch welche Symptome macht sich das Asperger-Syndrom bemerkbar?

Das Asperger-Syndrom ist überwiegend eine „unsichtbare Beeinträchtigung“. Vom äußeren Erscheinungsbild kann nicht gesagt werden, ob jemand unter diesem Syndrom leidet. Da die Betroffenen kaum sprachliche Probleme haben, können auch diesbezüglich keine Rückschlüsse auf eine Beeinträchtigung gezogen werden.

Sehr kleine Kinder zeigen meistens noch keine Symptome, nur eine Verzögerung der motorischen Entwicklung kann einen ersten Hinweis auf das Vorliegen des Asperger-Syndroms liefern. Die ersten Anzeichen zeigen sich in der Regel frühestens ab dem dritten Lebensjahr. Die Symptome betreffen hauptsächlich drei Bereiche:

1.) Defizite in der sozialen Kommunikation
Unter der sozialen Kommunikation versteht man die Verwendung von Sprache in einem sozialen Kontext. Betroffene interpretieren jedoch Äußerungen, ohne den sozialen Rahmen zu berücksichtigen – sie interpretieren im wörtlichen Sinn. Ein Schild in einer Bibliothek mit der Aufschrift: „Bitte leise reden“ ist für einen Menschen mit Asperger-Syndrom sehr verwirrend. Er würde sich fragen, mit wem er leise sprechen soll und warum. Er wolle doch nur lesen. Man kann sich also vorstellen: ein Leben voller Irrtümer und Missverständnisse.

2.) Defizite in der sozialen Interaktion
Darunter versteht man eine qualitative Beeinträchtigung im Umgang mit anderen Menschen. Die Betroffenen zeigen dabei Auffälligkeiten in ihrem nicht-verbalen Verhalten. Diese machen sich durch eine deutliche Reduzierung im Bereich von Mimik, Gestik, Gebärden und Blickkontakt bemerkbar. Außerdem zeigen sie sich unfähig, zwanglose Beziehungen zu anderen Kindern herzustellen. Der Grund dafür besteht nicht unbedingt im Wunsch nach sozialem Rückzug, sondern an der Unfähigkeit, die sozialen Regeln zu deuten und sich danach zu verhalten.

3.) Defizite im sozialen Verständnis
Menschen mit Asperger-Syndrom können die Gefühle anderer nicht verstehen und haben daher einen großen Mangel an Empathie. Sie nehmen zwar gerne Kontakt mit der Umwelt auf und sprechen viel mit anderen Menschen, können aber nicht einschätzen, ob ihr Verhalten angemessen ist und wie ihre Umwelt darauf reagiert. Das wird von ihrer Umgebung oft fälschlich als extreme Selbstbezogenheit gedeutet, obwohl es der Betroffene selbst aufgrund seiner Einschränkung nicht besser vermag.

Welche Auffälligkeiten zeigen das Asperger-Syndrom-Betroffene noch?

Viele Betroffene entwickeln sehr spezielle Interessen. Sie neigen dann dazu, sich mit diesen sehr intensiv, oft wie besessen zu beschäftigen. Manche befassen sich mit mathematischen Aufgaben, andere wiederum lernen geschichtliche Daten oder ganze Fahrpläne auswendig.

Kinder mit Asperger können sich durchaus mit Dingen beschäftigen, welche auch Gleichaltrige interessieren. Der Drang, einem bestimmten Interesse nachzugehen, besteht jedoch mit einer verstärkten Intensität. Das kann manchmal sogar zu herausragenden Fähigkeiten auf einem bestimmten Gebiet führen, welche Asperger-Betroffene jedoch nicht in den entsprechenden sozialen Kontext einbetten und daher nicht sinnvoll nutzen können.

Menschen mit dieser Beeinträchtigung neigen auch zu stereotypen Verhaltensmustern. Das heißt, dass sie bestimmte Handlungen immer wieder nach dem gleichen Schema vornehmen. Schon als Kind unterwerfen sie sich gewissen Ritualen, leben nach fixen Abläufen, nehmen immer denselben Weg oder richten sich nach festgelegten Uhrzeiten. Durch jegliche Veränderung sind sie überfordert und ihr gewohnter Alltag wird aus der Bahn geworfen.

Welche Ursachen führen zum Entstehen des Asperger-Syndroms?

Konkrete Auslöser für das Asperger-Syndrom konnten bis jetzt nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Experten vermuten ein Zusammenwirken von mehreren Ursachen wie genetische Faktoren, ein höheres Alter der Kindsmutter, mütterliche Infektionen während der Schwangerschaft oder mütterliche Diabetes. Ebenso erhöhen Komplikationen während und nach der Geburt sowie Probleme der Lungenfunktion und Unterzucker beim Neugeborenen die Wahrscheinlichkeit für das Entstehens eines Asperger-Syndroms.

Welche Therapie gibt es für Menschen mit Asperger-Syndrom?

Eine Heilung des Asperger-Syndroms ist nicht möglich. Bestimmte Maßnahmen können den Betroffenen aber helfen, sich besser in ihrem Alltag zurecht zu finden. Es gibt mehrere Therapieprogramme, die individuell auf den Patienten abgestimmt werden, wobei mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen die besten Ergebnisse erzielt werden.

Dazu zählen unter anderem die Förderung der sozialen Kommunikation, das Erlernen schulischer Kompetenzen, die Verbesserung der Aufmerksamkeit für soziale Interaktionen und das Erreichen von Selbständigkeit. Desweiteren helfen Spielgruppen, Ergotherapie, Frühförderung, Musiktherapie und Kommunikationstraining. Mit den geeigneten Therapieansätzen kann es Menschen mit Asperger-Syndrom durchaus gelingen, ein selbständiges und erfülltes Leben zu führen.

Dieser Artikel dient nur zu Deiner Information. Er ermöglicht keine Selbstdiagnose und ersetzt keinen Arztbesuch. Nur ein Arzt kann Dich verlässlich und verbindlich untersuchen und diagnostizieren.
Zurück zum Magazin