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Paracetamol – ein Zuviel kann tödlich sein!

Paracetamol

Schmerzmittel werden täglich millionenfach in Apotheken über den Ladentisch gereicht und gelten als Allzweckwaffen gegen akute sowie chronische Schmerzen und Fieber. Für manche sind solche Medikamente regelrechte Lifestyle-Produkte, die man immer zu Hand hat und schluckt, wenn es irgendwo weh tut, oder um zu „funktionieren“: Im Job, als Elternteil, im Sport – auszufallen können sich die einen nicht leisten, weil der Druck von außen zu groß ist, andere setzen sich selbst unter Druck und wollen keine „Schwäche“ zeigen. Das Motto: Anti-Schmerzpille einnehmen, weitermachen.

Pro Jahr werden in Deutschland drei Milliarden Einzeldosen an Analgetika (Fachbegriff für Schmerzmittel) verkauft – anders ausgedrückt: Täglich werden um die 10 Millionen Schmerztabletten geschluckt.

Ein Analgetikum, das man sehr lange für ungefährlich hielt, ist Paracetamol. Sogar in der Schwangerschaft galt (und gilt!) Paracetamol als Mittel der Wahl, als unschädlich für die Mutter und ihr ungeborenes Kind. Mittlerweile deuten verschiedene Studien jedoch darauf hin, dass Paracetamol bei weitem nicht so harmlos ist wie vermutet.

Wieso läuten erst jetzt die Alarmglocken?

Paracetamol wurde bereits 1959 auf dem deutschen Markt unter dem Namen Ben-u-ron zugelassen. Damals mussten die Medikamente vor ihrer Zulassung keine so strengen Prüfungen durchlaufen wie heutzutage. Das Medikament hat sich über die Jahre traditionell einen vorderen Platz in der Riege der rezeptfreien Schmerzmittel erobert, den niemand groß hinterfragte, schon gar nicht die Pharmaindustrie, denn Forschungen kosten Geld. Was bereits für die Großmutter gut war, kann uns ja nicht schaden, so der Irrglaube.

Wirkstoffe wie ASS und Paracetamol haben sich offenbar aus Tradition auf dem Markt etabliert, richtig überprüft worden sind sie nie. Sowohl ASS als auch Paracetamol sind patentfrei, das bedeutet, dass kein Hersteller in weitere Forschungen investieren möchte, von denen sich schlussendlich auch die Konkurrenz Vorteile verschaffen würde.

Wo liegen die Gefahren von Paracetamol?

Die größte Gefahr liegt in der Überdosierung des Wirkstoffes Paracetamol, denn ein Zuviel kann tödlich sein. 4000 mg Paracetamol pro Tag sind zugelassen, doch oftmals wird noch mehr eingenommen.

Entweder weil die gewünschte Wirkung nicht eingesetzt hat, oder es wird unbeabsichtigter Weise zu viel Paracetamol dosiert, weil Kombipräparate (z.B. Erkältungsheißgetränke), ebenfalls den Wirkstoff enthalten und somit die vier Gramm Tagesdosis überschritten wird. Mit fatalen Folgen. In 16% aller untersuchten Fälle von akutem Leberversagen handelte es beispielsweise sich um eine Überdosierung von Paracetamol.

Was passiert in der Leber mit Paracetamol?

Bestimmte Enzyme bauen in der Leber den Wirkstoff Paracetamol ab. Dabei entsteht ein leberschädigendes und giftiges Abbauprodukt, welches normalerweise von einer körpereigenen Aminosäure aufgefangen und über die Nieren ausgeschieden wird.

Der Vorrat an dieser Aminosäure, welche übrigens Glutathion heißt, ist jedoch begrenzt. Wird zu viel Paracetamol eingenommen, so erschöpft sich dieser Vorrat und es kommt zum Absterben von Leberzellen, bis hin zum völligen Leberversagen, welches in den meisten Fällen – und ohne Lebertransplantation – tödlich endet.

Wer muss besonders aufpassen?

Alkoholkranke Menschen sind besonders gefährdet, ihre Leber zu schädigen. Einerseits durch den Alkohol, der ebenfalls in der Leber abgebaut wird, andererseits durch Paracetamol. Dieser Doppelbelastung hält die Leber nicht stand, besonders, wenn es um eine Dauermedikation mit paracetamolhaltigen Medikamenten geht.

Auch Schwangere sollten die Einnahme von Paracetamol sehr kritisch betrachten und unbedingt mit ihrem Arzt besprechen. Da an schwangeren Frauen keine randomisierten Studien durchgeführt werden, dauert es oft sehr lange, bis ein Zusammenhang zwischen einem bestimmten Medikament und Beeinträchtigungen beim Kind erkannt wird. Heutiger Wissensstand: Paracetamol steht im Verdacht mit Hodenhochstand, Asthma, ADHS und sprachlichen Entwicklungsverzögerungen bei Mädchen in Verbindung zu stehen.

Was heißt das für uns?

Nicht jedes Medikament, das lange auf dem Markt ist, ist wirklich sicher. Die Einnahme von Paracetamol sollte nur unter strenger Einhaltung der Dosierungsempfehlungen und am besten nach Rücksprache mit dem Arzt stattfinden. Schwangere sollten die Einnahme von Paracetamol, wenn irgendwie möglich vermeiden oder zumindest auf das Minimum reduzieren.

Für alle Schmerztabletten gilt grundsätzlich: Möglichst selten, möglichst kurz und in der richtigen Dosierung.

Dieser Artikel dient nur zu Deiner Information. Er ermöglicht keine Selbstdiagnose und ersetzt keinen Arztbesuch. Nur ein Arzt kann Dich verlässlich und verbindlich untersuchen und diagnostizieren.
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