CLICK Magazin

Gestose – ernste Gefahr für Mutter und Kind

Gestose

Dass der dreijährige Elias heute wild mit dem Dreirad umherfahren kann und im Sommer gern ausgelassen im Freibad planscht, ist ein kleines Wunder: Elias kam als Frühchen auf die Welt – mit einem Körpergewicht von gerade einmal 940 Gramm. Ursache war eine Gestose während der Schwangerschaft, eine Krankheit, die im Volksmund fälschlicherweise auch Schwangerschaftsvergiftung genannt wird. Sie kann dramatische Auswirkungen auf die Gesundheit von Mutter und werdendem Kind haben. Wir klären Dich darüber auf, was es mit dieser Erkrankung auf sich hat, auf welche Warnzeichen Du achten und was Du bei einer entsprechenden Diagnose beachten solltest.

Was ist eine Gestose?

Eine Gestose ist eigentlich keine eng umrissene Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen, die ausschließlich während einer Schwangerschaft auftreten und eine Überbelastung des Organismus durch die Schwangerschaft darstellen. Vielen werdenden Müttern bekannt sein dürfte die sogenannte Frühgestose, die mit häufiger Übelkeit und Erbrechen einhergeht. So unangenehm das auch sein mag, die Symptome verschwinden typischerweise am Ende des ersten Trimenons (bis etwa zur 12. Schwangerschaftswoche) und wirken sich langfristig kaum auf Mutter und Kind aus.

Problematisch ist vielmehr eine Spätgestose, die in der Regel im letzten Trimenon auftritt (in 5 bis 10 % aller Schwangerschaften). Hierzu gehören Präeklampsie (auch als EPH-Gestose bekannt) sowie die schwerer verlaufenden Formen Eklampsie und HELLP-Syndrom.

Was sind die Ursachen und gibt es Risikofaktoren?

Ursprünglich wurde angenommen, dass Gestosen durch ein im Körper hergestelltes Gift verursacht werden – daher der Name Schwangerschaftsvergiftung. Diese Annahme wurde inzwischen widerlegt und der Begriff „Schwangerschaftsvergiftung“ obsolet.

Die genauen Ursachen sind bis heute nicht geklärt. Ein wichtiger Faktor scheint allerdings Bluthochdruck zu sein, der zudem ein wichtiges Symptom darstellt. Auch Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, bestimmte Faktoren für die Auskleidung der Blutgefäße (sog. Endothel), sowie eine Fehlfunktion der Plazenta scheinen mit einem erhöhten Risiko für eine Spätgestose einherzugehen. Neuere Forschungsergebnisse zeigen zudem, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt und mit dem Auftreten einer Gestose vor allem dann zu rechnen ist, wenn bereits Mutter oder nahe Verwandte darunter gelitten haben.

Wie macht sich eine Gestose bemerkbar?

Die charakteristischen Hauptsymptome einer Spätgestose sind:

  • Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme bzw. engl. Edema)
  • Eiweiß im Urin (Proteinurie)
  • und Bluthochdruck (Hypertonie)

von denen sich auch die Bezeichnung „EPH-Gestose“ ableitet. Wenn Du eines dieser Symptome bei Dir feststellst, solltest Du dich schnellstmöglich bei Deinem Frauenarzt zur weiteren Abklärung vorstellen. Auch wenn mit diesen Symptomen nicht automatisch die für die Eklampsie typischen Komplikationen einhergehen (daher der Name Präeklampsie), besteht die Gefahr, dass sich eine solche entwickelt, wenn nicht frühzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Treten plötzlich heftige Schmerzen im Oberbauch auf, begleitet von Übelkeit, Erbrechen und ggf. Durchfall, deutet dies auf ein HELLP-Syndrom hin (tritt bei 0,3 bis 1 % aller Schwangerschaften auf). Hier ist besonders schnelles Handeln gefragt.

Welche Komplikationen sind möglich?

Die gute Nachricht zuerst: wird eine Gestose rechtzeitig erkannt, sind kaum Komplikationen zu erwarten.

Eine ausgeprägte Eklampsie kann dagegen zu schweren epilepsieartigen Krampfanfällen mit Bewusstseinseintrübung sowie Thrombosen, Hirnödemen, akutem Nierenversagen und Plazentainsuffizienz führen. Diese sind für Mutter und Kind lebensbedrohlich und müssen sofort im Krankenhaus behandelt werden. Noch dramatischer ist die Situation beim HELLP-Syndrom: hierbei kommt es innerhalb kürzester Zeit zu plötzlichen Blutgerinnungs- und Leberfunktionsstörungen, die im schlimmsten Fall zum Tod von Mutter und Kind führen können.

Im Falle einer Frühgeburt kommen darüber hinaus weitere Komplikationen für das Neugeborene hinzu.

Wie wird eine Gestose behandelt?

Generell gilt: Eine Gestose ist während der Schwangerschaft nicht heilbar. Trotzdem gibt es Behandlungsmöglichkeiten, die sich gegen die Symptome richten und das Auftreten von Komplikationen verhindern. Das Hauptaugenmerk richtet sich dabei auf die Senkung des Blutdrucks, in einer frühen Phase der Präeklampsie z.B. durch die Einnahme von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS, z.B. Aspirin®). Zusätzlich wird den Betroffenen zu einer ausgewogenen Ernährung mit eiweiß- und kalorienreicher sowie auf keinen Fall salzarmer Kost geraten. Wenn das alles nicht funktioniert, wird die Behandlung im Krankenhaus fortgeführt.

Bei ausgeprägter Eklampsie und HELLP-Syndrom wird häufig sofort ein Kaiserschnitt durchgeführt, um das Leben von Mutter und Kind zu retten. Dies kann, wie im Fall von Elias, weit vor dem errechneten Geburtstermin notwendig sein. Die mütterlichen Symptome klingen danach innerhalb weniger Tage wieder ab.

Wie kannst Du vorbeugen?

Du selbst kannst über Deinen Lebensstil dazu beitragen, dass es in deiner Schwangerschaft gar nicht erst zur Entstehung einer Gestose kommt. Dazu solltest Du zuallererst Stress aus Deinem Leben verbannen. Sorge für ausreichend Ruhe und nimm hin und wieder eine Auszeit, in der Du die Beine hochlegst. Achte bei Deiner Ernährung auf ausgewogene, eiweißhaltige und keinesfalls salzarme Kost. Darüber hinaus solltest Du Dich regelmäßig bewegen: Spazierengehen, Schwimmen und spezielle Gymnastik sind besonders geeignet. Lass Dich dazu von Deinem Frauenarzt beraten.

Achte zudem darauf, alle Deine vorgesehenen Vorsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen. Dabei sind insbesondere Blutdruckmessung und Urinanalysen (Eiweißgehalt) wichtig. So kann Dein Frauenarzt die Vorboten einer Gestose frühzeitig erkennen und gegebenenfalls eine entsprechende Therapie einleiten.

Mittlerweile sind auch spezielle diagnostische Tests erhältlich, mit denen das Risiko einer Präeklampsie bestimmt werden kann. Zu Sinn und Nutzen in Deinem speziellen Fall solltest Du Dich vom Arzt ausführlich aufklären lassen.

Spätgestosen wie Präeklampsie, Eklampsie und HELLP-Syndrom sind zwar selten, stellen aber im Ernstfall für Dich und das werdende Kind eine lebensbedrohliche Gefahr dar. Früh erkannt, können die Symptome aber gut behandelt und Komplikationen vorgebeugt werden. Die beste Prävention ist das Wahrnehmen aller Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt. Darüber hinaus kannst Du mit einer ausgewogenen Ernährung, Bewegung und regelmäßigen Auszeiten dazu beitragen, dass deine Schwangerschaft komplikationslos verläuft.

Elias freut sich derweil übrigens auf sein neues Geschwisterchen. Mutter Pia ist wieder schwanger geworden und die Geburt des Brüderchens steht kurz bevor – nach einer diesmal ganz normal verlaufenen Schwangerschaft.

Übrigens: einen Termin bei einem Frauenarzt kannst Du bei CLICKDOC auch ganz einfach online buchen – probiere es doch gleich einmal aus!

Dieser Artikel dient nur zu Deiner Information. Er ermöglicht keine Selbstdiagnose und ersetzt keinen Arztbesuch. Nur ein Arzt kann Dich verlässlich und verbindlich untersuchen und diagnostizieren.
Zurück zum Magazin