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Das Leben von Kindern nach einer erfolgreichen Chemotherapie

Kinder Chemotherapie

Kaum eine Diagnose löst so viele Ängste aus wie die Diagnose „Krebs“. Egal, wie groß die Hoffnung auf Heilung auch ist, für die betroffenen Patienten ist ein diagnostizierter Krebs erst einmal eine Katastrophe.

Das gilt insbesondere für Kinder. Sie mögen vielleicht mit den Begriffen „Tumor“, „bösartig“, „inoperabel“, „Chemotherapie“ oder „Bestrahlungen“ zunächst nichts anfangen können, aber die Reaktionen der Angehörigen und Ärzte zeigen ihnen die Ernsthaftigkeit der Erkrankung und geben ihnen womöglich mehr das Gefühl, in Todesnähe zu schweben, als die Krankheit selbst.

Die Krebsbehandlung – ein lebenslängliches Trauma für Kinder?

Weil die meisten Kinder nicht wissen, was Krebs bedeutet, wissen sie auch nicht, was auf sie zukommt und wie hart es für sie werden kann. Es könnten eine Operation, mehrere Chemotherapien, möglicherweise eine Knochenmarktransplantation mit anschließender Quarantäne, dazu Bestrahlungen, vielleicht sogar Amputationen sein, die durchgeführt werden müssen, um ihr Leben zu retten. Die Bandbreite der Krebsbehandlungen ist riesig und – traumatisch! Die ausgesprochenen und unausgesprochenen Ängste der Familie sind ebenso belastend wie die eigenen Ohnmachtsgefühle.

Werden die Behandlungen, wie beispielsweise eine Operation mit anschließender Chemotherapie, kindgerecht erklärt und kommuniziert, dann haben es Kinder leichter, seelisch mit dieser belastenden Situation fertig zu werden. Sie können sich gut vorstellen, dass Tausend kleine Helferchen in Form von Chemotherapie in ihren Körper geschleust werden, die dabei helfen sollen, versteckte Krebszellen aufzuspüren und zu eliminieren. Dass ihnen dabei übel wird oder ihnen dabei die Haare ausgehen, könnten sie als Kollateralschäden billigend in Kauf nehmen, wenn man ihnen erklärt, dass die kleinen Helferlein nur ein wenig über die Stränge geschlagen haben.

Manche Kinder behandeln ihre Puppen, wie sie selbst medizinisch behandelt werden. Sie geben ihnen Spritzen und legen Ports. Damit entwickeln sie Verständnis für ihre Behandlung und werden aktiv, anstatt ärztliche Bemühungen passiv zu erdulden. Instinktiv vermeiden sie dabei, allzu sehr durch die Behandlung traumatisiert zu werden.

Altersgerechte Erklärungen helfen bei der Verarbeitung

Sind die Kinder älter, kaufen sie den Eltern die kleinen Helferlein im Körper möglicherweise nicht mehr ab. Sie sollten daher so umfänglich und verständlich wie möglich über ihre Krankheit informiert werden, damit kein Ohnmachtsgefühl bleibt. Wenn sie verstehen, was geschieht, kommen sie mit der teilweise monatelang anhaltenden Extremsituation besser zurecht. Ständige Übelkeit, Haarausfall, Schwächegefühle, Schwindel, Hilflosigkeit und dazu andauernde Untersuchungen und Behandlungen können eine Kinderseele zermürben, wenn sie nicht gut darauf vorbereitet ist.

Nicht wenige Kinder werden nach ihrer Gesundung zu selbsternannten Spezialisten ihrer Erkrankung und helfen anderen krebskranken Kindern mit Rat und Tat. Auch dies ist eine gute Möglichkeit, mit ihrer eigenen Krebserfahrung selbst besser zurecht zu kommen.

Nach der Chemo: Gesund für immer?

Ist der Krebs erst einmal besiegt, kann der kleine Kinderkörper vollständig genesen. Narben werden bleiben: von der Behandlung und auf der Seele. Eine Krebserkrankung mit Operation und anschließender Chemotherapie sowie deren Nebenwirkungen ist ein tiefer Einschnitt. Selbst wenn das Kind danach ganz gesund wird, hat es sich verändert. Es weiß um die Endlichkeit des Lebens und dass nichts im Leben sicher ist, schon gar nicht die eigene Gesundheit. Das Kind hat erfahren, dass es unverschuldet in große Nöte kommen kann. Mit dieser Seite des Lebens möchte man Kinder eigentlich nicht konfrontiert wissen.

Im besten Fall hat das Kind aber auch erfahren, dass ihm in Notsituationen geholfen wird. Dass es Behandlungen gibt, die zwar schmerzhaft sind, aber Leid lindern und Krebs heilen können. Das wird der Seele helfen, zu genesen.

Spätfolgen der Chemotherapie bei Kindern

Was die körperliche Seite der Krebserkrankung anbelangt, kann es Einschränkungen geben. Zwar gibt es mittlerweile ein großes Therapieangebot für Kinder und Jugendliche und auch deren Heilungschancen sind gestiegen. Dennoch können die teilweise sehr aggressiven Therapien gesunde Zellen, Organe und Organsystem geschädigt haben. Das kann wiederum zu Spätfolgen führen und bedeutet für das betroffene Kind möglicherweise eine Langzeitnachsorge weit ins Erwachsenenalter hinein. Welche Spätfolgen das im Einzelnen sind, hängt von der Krebserkrankung selbst und von deren Behandlung ab. Denn Chemotherapie ist nicht gleich Chemotherapie.

Chemotherapeutika beispielsweise, die Platin enthalten, können die Sinneszellen im Innenohr nachhaltig schädigen. Die betroffenen Kinder werden dann auf beiden Ohren schwerhörig oder leiden an störenden Ohrgeräuschen (Tinnitus).

Andere Chemotherapeutika können das Herz schädigen. Kinder, die eine solche Therapie erhalten haben, müssen über Jahrzehnte hinaus noch regelmäßig nachuntersucht werden, stets herzgesund leben und im Erkrankungsfall lebenslänglich Medikamente einnehmen.

Wieder andere Chemotherapie-Medikamente können sowohl die kleinen Nierenkörperchen als auch die Nierenkanälchen angreifen. Dadurch kann das Filtersystem der Niere so gestört werden, dass weiterhin benötigte Stoffe ausgeschieden, Giftstoffe hingegen im Körper gehalten werden, wo sie Schaden anrichten können. Die so behandelten Kinder müssen noch mindestens drei Jahre nach der Chemo Blut und Urin auf Schäden testen lassen.

Bei einer Hochdosis-Chemotherapie können auch die Keimdrüsen (Gonaden) der Kinder Schaden nehmen, also die Eierstöcke und die Hoden. Möglicherweise sind sie dann im Erwachsenenalter nicht mehr fruchtbar und können weder Kinder zeugen noch Kinder bekommen. Diese Nebenwirkung ist relativ häufig und leider irreparabel.

Dieser Artikel dient nur zu Deiner Information. Er ermöglicht keine Selbstdiagnose und ersetzt keinen Arztbesuch. Nur ein Arzt kann Dich verlässlich und verbindlich untersuchen und diagnostizieren.
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